Opfergang

Fotos: Sammlung Michael A. Krüger

Michael A. Krüger präsentiert Übersichten und drei Bildbeispiele der Kinoaushangfotos zum Ufa-Farbfilm Opfergang (Regie: Veit Harlan, Berliner Uraufführung am 29. Dezember 1944), bei dem es sich um den insgesamt sechsten abendfüllenden Agfacolor-Spielfilm handelte. Falls einer unserer Leser weitere Motive als die hier aufgeführten kennt, wird gebeten, sich mit Michael Krüger in Verbindung zu setzen:
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Veit Harlan drehte Opfergang zeitgleich mit Immensee. Wie die Theodor-Storm-Verfilmung Immensee behandelte auch Opfergang eine Dreiecksbeziehung. Stand in Immensee eine Frau zwischen zwei Männern, so muss sich in Opfergang ein Mann zwischen zwei Frauen entscheiden: Albrecht Froben (Carl Raddatz) ist mit der Hamburger Senatorentochter Octavia (Irene von Meyendorff) verheiratet, verliebt sich aber unversehens in die Finnin Aels Flodéen (Kristina Söderbaum). Aels wirkt nach außen stark und lebenshungrig, leidet aber in Wahrheit an einer schleichend fortschreitenden Krankheit, die sie am Schluss das Leben kostet, während Albrecht bei Octavia bleibt. Mit dieser Wendung wandelte Harlan den Schluss der zugrundeliegenden Novelle von Rudolf Georg Binding ab, in der die beiden Frauen überleben, Albrecht jedoch an einer Krankheit stirbt.
Als Grund hierfür nennt Harlan in seinen Memoiren „Im Schatten meiner Filme“ den Widerstand Goebbels‘ gegen das ursprünglich vorgesehene Ende: „Er [Goebbels] ließ mich kommen und erklärte, daß es ‚volkserzieherisch indiskutabel‘ sei, wenn ich in dem Film eine ehebrecherische Beziehung zeige, die gewissermaßen das Wohlwollen des Dichters Binding genieße. Er stellte mir vor Augen, daß gerade meine Filme hinaus an die Front geschickt würden und daß ein solcher Film unter den Soldaten geradezu Verheerungen anrichten könnte. Und zwar um so schlimmere, wenn z. B. eine so beliebte Frau, wie Kristina, die für die Soldaten ‚ein Idol‘ bedeute, die Rolle spiele. […] Goebbels erklärte uns, daß ‚zig tausend‘ Soldaten an der Front desertierten, weil sie von der Angst geplagt seien, ihre Frauen betrögen sie zu Hause. Wenn nun ein Film, in dem der Betrug glorifiziert würde, vor den Soldaten erschiene, würden die Angstphantasien anfälliger Menschen nur noch genährt. Aus dieser politischen Erwägung hätte ich folgende Konsequenzen zu ziehen: Sterben müsse die an dem Ehebruch schuldige Frau und nicht der Ehemann.“ (1)

Doch trotz Umsetzung der gewünschten Änderungen verfehlte der fertiggestellte Film Goebbels‘ Geschmack. In seinem Tagebuch notierte der Propagandaminister über Opfergang, er sei „inhaltlich wieder, wie ‚Immensee‘, etwas überspitzt. Harlan arbeitet zuviel mit mysteriösen Chören, und auch sein Dialog ist etwas zu sentimental und äußerlich aufgebaut. Ich muß gelegentlich Harlan einmal ins Gebet nehmen. Er bewegt sich augenblicklich auf einer Linie, die nicht besonders viel Erfolg verspricht. Er muß wieder auf den Boden der Tatsachen zurückgeführt werden.“ (2) Obwohl Opfergang bereits im Februar 1944 von der Filmprüfstelle zugelassen wurde, gelangte er nicht vor Dezember 1944 in die deutschen Kinos.

Albrecht (Carl Raddatz) stößt bei seinem Freund Mathias (Franz Schafheitlin) auf ein Portrait von Octavia (Irene von Meyendorff), das ihn sichtlich anzieht.

Aels (Kristina Söderbaum) scheut keine sportlichen Abenteuer.

Diese Dialogszene zwischen Albrecht und dem Senator Froben (Otto Tressler) ist in der heute verfügbaren Fassung des Films nicht mehr enthalten.

(1) Vgl. Harlan: Im Schatten meiner Filme. Gütersloh: Sigbert Mohn 1966, S. 158-164.
(2) Tagebucheintrag vom 24.07.1943. (Die Tagebücher von Joseph Goebbels. Hrsg. von Elke Fröhlich. Teil II: Diktate 1941 bis 1945, Band 8: April bis Juni 1943. München: Saur 1993, S. 156.)

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