Immensee

Fotos: Sammlung Michael A. Krüger

Michael A. Krüger präsentiert an dieser Stelle Übersichten und drei Bildbeispiele der Kinoaushangfotos zum vierten Ufa-Farbfilm, dem Melodram Immensee (Regie: Veit Harlan, Uraufführung am 8. Dezember 1943), bei dem es sich um den insgesamt fünften abendfüllenden Agfacolor-Spielfilm handelte. In der Sammlung Krüger fehlen bislang die Aushangfotos Nr. 8 und Nr. 31. Wer diese Motive kennt und besitzt, wird gebeten, sich mit Michael Krüger in Verbindung zu setzen:
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Nachdem die ausgiebigen Versuchsaufnahmen zum ersten Harlan-Farbfilm Die goldene Stadt hohe Kosten verursacht hatten, entwickelte Harlan einen Plan, um möglichst budgetschonend weitere Agfacolor-Spielfilme herstellen zu können. In seinen Memoiren „Im Schatten meiner Filme“ berichtet er, Goebbels vorgeschlagen zu haben, parallel nicht weniger als drei Filme zu produzieren – die Literaturadaptionen „Immensee“ und „Pole Poppenspäler“ nach Theodor Storm sowie „Opfergang“ nach Rudolf Georg Binding. In allen drei Filmen wollte Harlan die gleichen Darsteller beschäftigen – unter ihnen, in prominenter Hauptrolle, die eigene Ehefrau Kristina Söderbaum, woran Goebbels sich störte, weil er die „Familienfilmerei“ ablehnte. Genau an dieser Tatsache soll der Plan zur Parallel-Realisierung dreier Farbspielfilme gescheitert sein: Harlan will den „Pole Poppenspäler“ begraben haben, um wenigstens die Stoffe „Immensee“ und „Opfergang“ in Farbe verfilmen zu können. (1) Wieder aufgegriffen wurde das Vorhaben „Pole Poppenspäler“ erst 1944, als Harlans Drehbuch- und Regie-Assistent Alfred Braun es unter dem Titel Der Puppenspieler begann, aber bis Kriegsende nicht mehr fertigstellen konnte.

Immensee Übersicht 2

Die Dreharbeiten zu Immensee begannen am 26. Juni 1942, die zu Opfergang zwei Monate später, am 21. August; in beiden Filmen zu sehen waren die Hauptdarsteller Carl Raddatz und Kristina Söderbaum, die Außenaufnahmen entstanden jeweils überwiegend in Schleswig-Holstein, wobei Eutin als Kulisse für den fiktiven Schauplatz Immensee gewählt wurde. Ein Teil des Films entstand in der Hauptstadt des verbündeten Italien, wobei es Harlan sich nicht nehmen ließ, die antiken Ruinen und baulichen Schönheiten Roms auf Agfacolor-Film festzuhalten. Die einzige Massenszene in Immensee entstand Anfang Juli 1942 vor der Kulisse der Maxentiusbasilika, wo sich, wie die Zeitschrift „Film-Kurier“ berichtete, „rund zweitausend Menschen […] als filmfreudige Zuhörer eingefunden“ hatten, um einem Freilichtkonzert beizuwohnen. „Die Kamera Bruno Mondis war jenseits des Forums auf der farnesinischen Terrasse des Palatin-Hügels im Schatten von Steineichen und Zypressen aufgestellt. Dort stand auch Veit Harlan und gab durch Lautsprecher Regieanweisungen. ‚Applauso!‘ forderte er, und das Publikum klatschte begeistert in die Hände. Nach den großen Totalen wurden Naheinstellungen gedreht. Als Harlan dazu bei den Konzertbesuchern auftauchte, wurde er von Autogrammsuchenden, darunter auch deutschen Soldaten, umringt. In einer Aufnahmepause erfuhren wir von ihm im Schatten des gegen Fliegerbomben völlig verbarrikadierten Titusbogens einiges über den handlungsmäßigen Zusammenhang der jetzt in Rom gedrehten Szenen. In Abwandlung der Stormschen Novelle kommt der […] Musikstudent Reinhart (bei Storm ist es ein Botanik-Student) nach Rom und erfährt dort, daß sich seine Jugendliebe (Kristina Söderbaum) mit seinem Freund (Paul Klinger) verheiratet hat. Die Bekanntschaft mit einer italienischen Sängerin, Lauretta, die ihn zärtlich liebt, tröstet ihn kurze Zeit über den Schmerz hinweg. Als Lauretta aber bei einer Konzertveranstaltung […] auch eines seiner Lieder vorträgt, wird ihm bewußt, daß seine Musik in diesem fremden Rahmen nicht zur wesensgleichen Resonanz kommen kann. I[h]n packt das Heimweh und er reist ab.“ (2)

Harlans Memoiren zufolge war Goebbels von Immensee sehr angetan und lobte ihn „als ‚deutsches Volkslied‘ mit superlativischen Worten […]. Es war unter sämtlichen Filmen, die ich im Kriege zu drehen hatte, der einzige, der sowohl in Besetzung als auch im Drehbuch genau so blieb, wie ich ihn geplant und durchgeführt hatte.“ (3) Auch das Publikum war von Immensee begeistert, als der Film am 8. Dezember 1943 in Hamburg und neun Tage später in Berlin uraufgeführt wurde.

Die folgenden Aushangfotos zeigen Szenen, die in der heute zugänglichen Fassung nicht mehr enthalten sind:

Ein Gespräch unter Rivalinnen: Elisabeth (Kristina Söderbaum, links) mit der Studentin Jesta (Käthe Dyckhoff), mit der Reinhart sie betrogen hat.

Ein Gespräch unter Rivalen: Der aus Italien heimgekehrte Reinhart (Carl Raddatz, links) mit seinem ehemaligen Freund Erich (Paul Klinger), der inzwischen mit Elisabeth verheiratet ist.

Die drei Musikstudenten Jochen (Malte Jäger), Reinhart und Werner (Wilfried Seyferth) in einer Szene, die entweder dem in Hamburg oder dem in Rom spielenden Teil des Films entstammt.

(1) Vgl. Harlan: Im Schatten meiner Filme. Gütersloh: Sigbert Mohn 1966, S. 158-161.
(2) Veit Harlan dirigiert Filmaufnahmen vom Palatin. In: Film-Kurier Nr. 154 vom 04.07.1942, S. 3.
(3) Vgl. Harlan: Im Schatten meiner Filme, S. 168.

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