Die goldene Stadt

Kinoaushangfotos zu “Die goldene stadt”

Fotos: Sammlung Michael A. Krüger

Text: Dirk Alt

Michael A. Krüger präsentiert an dieser Stelle eine Übersicht und drei Bildbeispiele der Kinoaushangfotos zum Film Die goldene Stadt. In der Sammlung fehlt Aushangfoto Nr. 26. Falls einer unserer Leser dieses bislang unbekannte Motiv besitzt, kontaktiere er Herrn Krüger bitte unter der Email-Adresse:

MAK1967 at gmx.de

[Bitte at durch @ ersetzen und Leerzeichen löschen.]

 

Die Goldene Stadt - Aushangfotos

Die Goldene Stadt - Aushangfotos

Die goldene Stadt ist der zweite, bis 1945 erfolgreichste und einer der meistdiskutierten deutschen Farbspielfilme.

Mit dem Versprechen, einen politischen Film gegen die Landflucht zu drehen, will Veit Harlan Propagandaminister Joseph Goebbels davon überzeugt haben, seine Verfilmung des Richard-Billinger-Dramas „Der Gigant” in Farbe drehen zu dürfen. (1) Seinen Wunsch, den mit einer Jüdin verheirateten Schauspieler Joachim Gottschalk in dem Film beschäftigen zu dürfen, konnte er jedoch nicht durchsetzen: Gottschalk beging am 06. November 1941 mit Frau und Sohn Selbstmord – rund drei Monate, nachdem die Dreharbeiten zu Die goldene Stadt begonnen hatten.

Die Produktionsgeschichte dieses Films ist vor allem durch die Memoiren Harlans „Im Schatten meiner Filme” bekannt und insofern verzerrt, als der Regisseur in zahlreichen Fällen der Legendenbildung überführt werden konnte, gleichwohl seine Witwe Kristina Söderbaum in ihren Erinnerungen „Nichts bleibt immer so” als seine Kronzeugin auftrat. Es kann daher nicht beurteilt werden, ob Harlan für den Film wirklich kämpfen musste – wie Söderbaum in ihrer Darstellung schrieb. (2) Vieles deutet darauf hin, dass Harlan sich durch seine Memoiren zum eigentlichen Farbfilmpionier in Deutschland stilisierte, der – wenn schon nicht den ersten – so doch wenigstens den ersten ästhetisch vollendeten Farbspielfilm geschaffen haben wollte.

Gesichert ist, dass der Film – trotz durchgängig begeisterter Pressereaktionen – hinter den Kulissen wegen seiner politischen Undifferenziertheit umstritten war: In Reichsprotektorat Böhmen und Mähren und im Gau Sudetenland musste daher die öffentliche Aufführung des Films untersagt werden.

Die goldene Stadt spielt in der südböhmischen Region Krumau und erzählt die tragische Geschichte des Bauernmädchens Anna (Söderbaum), die sich – gegen den Willen ihres despotischen Vaters, des Großbauern Jobst (Eugen Klöpfer) – von der Stadt Prag angezogen fühlt, denn Prag ist der Geburtsort ihrer lange verstorbenen Mutter. Als sie heimlich nach Prag reist, findet sie Unterschlupf bei ihrer Tante und ihrem Vetter, dem zwielichtigen Toni Opferkuch (Kurt Meisel). Anna und Toni werden ein Paar, doch Toni lässt sie fallen, nachdem er erfährt, dass der verbitterte Vater Anna enterbt hat. Die von Toni schwangere Anna kehrt an den Hof ihres Vaters zurück, der eben mit seiner Haushälterin Maruschka Hochzeit halten will, und wählt daraufhin den Freitod, indem sie ins Moor geht.

 

Aushangfoto Nr. 06 zeigt den Verführer Toni und Anna, die ihre bäuerliche Tracht soeben gegen ein modisches Kostüm getauscht hat:

 

Aushangfoto Nr. 17 ist ein Motiv, das im Film nicht mehr enthalten ist, aber dem 72. Bild im Drehbuch (3) entspricht: Thomas (im Buch Wenzl), dargestellt von Rudolf Prack, reist Anna nach und betritt Prag mit finsterer Miene (hier auf der Karlsbrücke). Im 73. Bild – ebenfalls nicht mehr im Film vorhanden – sucht er die ehemalige Magd und Annas Freundin Julie auf, die es sich mit ihrem Verlobten inzwischen in einer Stadtwohnung eingerichtet hat. Er erklärt ihr, dass er Anna ihre Koffer bringen wollte, dies aber eigentlich nur ein Vorwand sei, um sie wiederzusehen. Julie berichtet ihm daraufhin von Annas Verlobung mit Toni. Thomas reagiert bitter enttäuscht:

„Ach – so ist das! [...] Ich will sie net mehr sehen. [...] Ist eben aus und Schluss. Sie will eben keinen Bauern net. Es muss ein Herr sein aus der Stadt. Gut! – Wenn’s ihr Glück ist, soll sie’s haben!” (S. 249)

Aushangfoto Nr. 19 stammt ebenfalls aus einer Szene, die im Film nicht mehr enthalten ist: Im 81. Bild des Drehbuchs ist Anna nach dem Zerwürfnis mit Toni und der Flucht aus der Wohnung ihrer Tante auf dem Weg zu ihrem Bekannten Ingenieur Leitwein (Paul Klinger), von dem sie sich Hilfe erhofft. Es kommt jedoch zu keinem Zusammentreffen, da sie es sich anders überlegt. Im Film wieder enthalten ist die folgende Szene auf der Karlsbrücke (82. Bild) – das anschließende 83. Bild, das zeigt, wie Anna ihren Schmuck in einem Pfandhaus versetzt, um ihre Heimreise zu finanzieren, fehlt wiederum.

 

Besonders interessant ist das überlieferte Drehbuch deswegen, weil es die ursprüngliche, von Goebbels abgelehnte Schluss-Szene enthält – das Happy-End zwischen Thomas bzw. Wenzl und Anna, das Harlan dann gegen den tragischen Schluss ersetzen musste. Szenenfotos des ursprünglichen Endes sind leider bis heute keine aufgetaucht.

Ein detaillierter Vergleich zwischen Drehbuch und überlieferter Filmfassung wäre eine sehr erwünschte Beigabe für eine neue DVD-Edition des Films, die endlich wieder die Kinofassung von 1942 zugänglich machen sollte und im Jubiläumsjahr 2012 von den Freunden des deutschen Films sicherlich gerne gekauft werden würde.

 

(1) Vgl. Harlan: Im Schatten meiner Filme. Gütersloh: Sigbert Mohn 1966, S. 143-144.
(2) Vgl. Söderbaum: Nichts bleibt immer so. Erinnerungen. München: Herbig 1992, S. 152.
(3) Das Drehbuch ist einsehbar im Schriftgutarchiv der Stiftung Deutsche Kinemathek / Museum für Film und Fernsehen Berlin, Signatur: SDK 348.

Aushangfoto Nr. 06

Aushangfoto Nr. 06

Aushangfoto Nr. 17

Aushangfoto Nr. 17

Aushangfoto Nr. 19

Aushangfoto Nr. 19