von Gert Koshofer, Bergisch Gladbach

Die nunmehr über 75-jährige Geschichte der „modernen” Farbfilme, also der Mehrschichtenfilme mit Farbentwicklung, begann 1935 mit Kodachrome. Sie erlebte ihre Hoch-Zeit in den 1970er und 1980er Jahren mit vielen Filmtypen aller großen Hersteller. Doch schon seit 1928 hatte es erste farbige Schmalfilme nach Verfahren, die noch auf der additiven Farbmischung beruhten, gegeben.

Farben vom Schwarzweißfilm durch einen optischen Trick

Kodak brachte im August 1928 Kodacolor als 16mm Schmalfilm nach dem Linsenraster-Verfahren auf den amerikanischen Markt. Die Linsenrasterfilme waren nur schwarzweiß, die Farben wurden erst bei der Projektion mit Hilfe eines Farbenfilters aus drei senkrechten roten, grünen und blauen Streifen auf der Silberwand sichtbar. Sie waren gleichsam codiert im Film enthalten, der dazu auch mit dem entsprechenden Farbenfilter aufgenommen werden musste. Der Film war auf der Rückseite linsenförmig geprägt und wurde durch sie belichtet. Bei der Projektion wurden die Streifenbilder mittels der „Linsen“ optisch den zugehörigen Filtersegmenten zugeführt und färbten so das Bild ein. Dabei ging viel Licht verloren, weshalb ein lichtstarker Projektor nötig war. Das erforderliche Objektiv für Kodacolor-Aufnahmen besaß eine Lichtstärke von 1:1,9, die nicht abgeblendet werden durfte, weil sonst das Farbgleichgewicht gestört worden wäre. Die Konkurrenz Agfacolor 16mm folgte im Sommer 1932. Agfacolor besaß einen wesentlich feineren Raster als Kodacolor. Es waren aber ebenfalls lichtstarke Kameraobjektive (1:1,5) erforderlich. Für die Vorführung wurde ein spezieller metallischer „Agfacolor-Lichtbildschirm“ geliefert.

Abwechselnd rote und grüne Bilder

Ähnlich kompliziert wie die Linsenrasterfilme arbeiteten die „Farbfilme“ nach dem Folgeverfahren. Wie schon bei dem 1909 offiziell vorgestellten englischen Kinemacolor Film für das Kino bestand dieses aus zwei aufeinander folgenden schwarzweißen Teilbildern, die den roten und den grünen Farbauszug des Motivs darstellten. Bei Aufnahme und Wiedergabe wurden abwechselnd rote und grüne Filter benutzt , so dass das projizierte Bild auf der Leinwand farbig zu sehen war. Ein starkes Flimmern und Parallaxenfehler sowie die Mängel der nur zweifarbigen Wiedergabe machten das Filmen mit diesem Verfahren kaum zu einem Vergnügen. Trotzdem kamen in den USA 1929 Du Pont Vitacolor und 1933 Morgana auf den Markt und erschien 1928 in Österreich der Mroz Farbenfilm.

Feine Farbstofflinien auf dem Film

Beim Linienrasterverfahren waren die Filme selbst farbig und konnten – ausgenommen Polavision – mit jeder Kamera aufgenommen werden. Der Raster bestand aus sehr feinen, fotomechanisch aufgedruckten linienförmigen roten, grünen und blauen Elementen auf der Filmrückseite, durch welche die Schwarzweißschicht belichtet und dann auch projiziert wurde. Nach farbfotografischen und 35mm Vorgängern, die unter den Namen Versicolor Dufay (Frankreich) und Spicer-Dufay Film (England) bekannt waren, wurden seit 1931 Dufaycolor 35mm Kinofilme hergestellt. Nach weiteren Verbesserungen des Verfahrens kam im September 1934 der 16mm Film unter dem Slogan „Dufaycolor: Everybody’s Colour Film“ erfolgreich auf den Markt. Das Filmformat 9,5mm folgte.

Die Filmsorte D.1 war für Tageslichtaufnahme ohne Filter bestimmt, die Sorte D.2 musste bei verschiedenen Beleuchtungen, also auch bei Tageslicht, jeweils mit einem anderen Farbfilter belichtet werden. Die Filmempfindlichkeit wurde mit 18° Scheiner entsprechend ASA 5 und somit halb so hoch wie damalige Standard-Schwarzweißfilme angegeben. Sie glich somit dem ein Jahr später (1935) herausgebrachten Kodachrome Film. Die Firma Ilford, die Dufaycolor produzierte, nannte es „die einfachste Methode der farbigen Kinematographie, da keine spezielle Apparatur und keine besonderen Vorkehrungen nötig sind, außer die Wahl der richtigen Blende und des geeigneten Filters.“ Der Kaufpreis für den Film war niedriger als für Kodachrome. Dufaycolor war als Schmalfilm nach kriegsbedingter Pause noch für kurze Zeit wieder erhältlich, während die Fotofilme sogar noch bis 1958 produziert wurden. Die Filmempfindlichkeit war zuletzt auf 20-23° Scheiner (ASA 10-16) erhöht. Die Farben haben sich recht gut gehalten, in der Schärfe und Auflösung war Dufaycolor aber den modernen Mehrschichtenfilmen unterlegen. Der Farbraster (zunächst nur 25 Linien/mm Filmfläche, später 40) soll bei normaler Heimprojektion nur zu erkennen gewesen sein, wenn man näher an die Leinwand heranging.

Erster Mehrschichtenfilm: Kodachrome

Die bessere Lösung für den farbigen Schmalfilm konnten nur die subtraktiven Verfahren bringen. Dabei bestehen die Filme aus entwickelten Farbstoffen in den Grundfarben Gelb, Purpur und Blaugrün. Als Kodachrome-Erfinder berühmt geworden sind Leo Godowsky jun. und Leopold Mannes, doch auch Kodachrome geht letztlich auf den Deutschen Dr. Rudolf Fischer zurück. Als Betriebsleiter der Neuen Photographischen Gesellschaft in Berlin hatte er schon 1911/1912 in zwei Patenten das elegante Prinzip des dreischichtigen Filmaufbaus und der Farbstofferzeugung mit Hilfe von Farbkupplern beschrieben. Kein Filmhersteller war aber damals schon in der Lage, hauchdünne Schichten übereinander zu gießen und die Farbkuppler von der Abwanderung in andere Filmschichten abzuhalten.
Die beiden Amerikaner Godowsky und Mannes, eigentlich beruflich der Musik verbunden, wurden 1927 auf die deutschen Patente aufmerksam. Sie hatten bereits vorher mit farbigen Kinofilmen experimentiert. Kodak-Forschungschef Dr. Mees holte sie 1931 zu sich nach Rochester. Dort erhielten sie Unterstützung von rund 100 Chemikern und am 15. April 1935 konnte der „Ciné-Kodak Kodachrome Safety Film“ zunächst für 16mm-Kameras vorgestellt werden. Er folgte einer Variante der Vorschläge von Dr. Fischer, nämlich der Beimischung der Farbkuppler zu den Entwicklerlösungen. Dadurch erhielt Kodachrome seine berühmte hohe Schärfe. Im Oktober 1936 kam der Film auch auf den deutschen Markt.

Kodachrome (1938)

Kodachrome (1938)

1960 war Kodachrome der weltweit bekannteste und meistbenutzte Farbfilm nicht nur bei Schmalfilmen, nachdem schon 1947 85 % aller Amateurfilme damit gedreht worden waren. 1961 folgten deutliche Verbesserungen: Der mehr als doppelt empfindlichere Kodachrome II erhielt dünnere Schichten, die nun sogar zu Gunsten von Belichtungsspielraum und Feinkörnigkeit doppelt aufgebaut waren, und wurde noch schärfer. Das neue Filmmaterial war eine ideale Ausgangsbasis für den im Mai 1965 zuerst in den USA erscheinenden Kodachrome Super 8 Film. Die Filmfläche war um 50 % größer und die spezielle Filmkassette erleichterte das Einlegen in die neuen Kameras. 1974 folgten die neuen Filme Kodachrome 25 (Tageslicht) und Kodachrome 40 (Kunstlicht). Die Ausbreitung der Camcorder, insbesondere die digitale Bildaufzeichnung, und der in Vergleich zu den anderen Schmalfilmen kompliziertere Entwicklungsprozess mit seinen 14 Stufen führten zur Aufgabe von Kodachrome Super 8 im Mai 2005 und im Folgejahr auch für 16mm. Das rief weltweit große Proteste hervor. Bis zum Ende dieses Jahres werden Kodachrome Filme nur noch bei Dwayne’s in Parsons, Kansas, USA, entwickelt.

Kodachrome II A (1966)

Kodachrome II A (1966)

Das universelle Agfacolor

In relativ kurzer Zeit wurde bei Agfa als zweiter Herstellerin ein „moderner“ Farbfilm ausgearbeitet. Agfacolor-Neu kam im November 1936 zuerst als Diafilm im Kleinbildformat auf den Markt. Da sich hier im Unterschied zu Kodachrome die drei Farbkuppler bereits in den Filmschichten befanden, war das Agfacolor-Verfahren universell: Es konnten nicht nur Dia- und Schmalfilme, also Farbumkehr-Materialien, sondern auch Negativ/Positiv-Materialien hergestellt werden. Die entsprechenden Kinofilme wurden von 1939 bis 1945 für 13 farbige Spielfilme benutzt, deren Produktionsgeschichten in dem neuen Buch „UFA in Farbe“ von Friedemann Beyer/Gert Koshofer/Michael Krüger (Collection Rolf Heyne, München 2010) ausführlich dargestellt werden (siehe dazu die Rezension auf dieser Seite).
Nach dem II. Weltkrieg wurden die Agfacolor Schmalfilme in der alten Filmfabrik in Wolfen (zunächst unter sowjetischer Leitung und dann als Volkseigener Betrieb der DDR) und in der dann neu errichteten in Bayerwerk Leverkusen selbständig weiter entwickelt. 1960 kam aus Leverkusen mit Agfacolor CT 13 der erste für das Schmalfilmformat ausgearbeitete und daher niedriger empfindlichen Film heraus, 1963 gefolgt von dem in der Bildschärfe verbesserten CT 13 S. Dieser Film war als Konkurrenz zu Kodachrome II gedacht, dem er zwar farblich überlegen war, aber in der Schärfe nicht an ihn heran reichte. Agfa Wolfen brachte 1963 den ebenfalls niedriger empfindlichen UT 13 heraus.

Agfacolor CT 13 S (1967)

Agfacolor CT 13 S (1967)

Wie Kodak führte auch Agfa-Gevaert 1965 ihren ersten Super 8 Film (CK 17) ein. Der größte Verbesserungsschritt gelang dann 1980 mit Agfa Moviechrome 40, der gegenüber seinem Vorgänger Agfachrome Super 8 kein störendes Kornrauschen sowie reinere Farben zeigte. In der Farbwiedergabe übertraf er auch Kodachrome 40, ohne wiederum dessen Schärfe und Feinkörnigkeit einzuholen. Nach dem Vorbild von Kodak Ektachrome 160 wurde Moviechrome 40 auch ein hochempfindlicher Typ 160 zur Seite gestellt. 1994 gab Agfa-Gevaert, Leverkusen, mit Agfa Moviechrome 40 als letztem Typ den Schmalfilmverkauf auf.

Agfa Moviechrome 40 (1985)

Agfa Moviechrome 40 (1985)

Mehr Filme nach den Vorbildern von Kodak und Agfa

Kodachrome und Agfacolor-Neu blieben nur kurze Zeit konkurrenzlos. Weitere Filmfabriken suchten nach dem II. Weltkrieg nach Möglichkeiten, auch mit farbigen Schmalfilmen ins Geschäft zu kommen. Da boten sich die inzwischen bewährten Verfahren von Kodak und Agfa an. Wegen seiner überragenden Schärfeleistung und hohen Farbstabilität strebten sie vor allem danach, Kodachrome nach zu machen. Dabei kam ihnen der Ablauf der Schlüsselpatente von Kodak zugute, wenngleich sie zum Teil für den Farbentwicklungsprozess an Kodak Lizenzgebühren entrichten mussten. Die japanischen Hersteller Konishiroku (Sakuracolor) und Fuji (Fujicolor) begannen damit ihren Einstieg in Farbfilme.

Sakura Color (1969)

Sakura Color (1969)

In den USA folgte der ehemalige Kodak-Mitarbeiter Bill Brown mit seinen Dynacolor und Dynachrome Filmen und in Europa kamen nicht nur Ilford in England, sondern auch Perutz (Perutz Color C14), München, damit heraus. Auch die ersten Fujichrome Single 8 Filme waren noch mit Kodachrome verwandt gewesen, bevor sie 1973/1974 auf das Ektachrome-Verfahren umgestellt wurden. Single 8 war – in gewisser Anlehnung an die Agfa 8mm Movex-Kassette, jedoch mit Film auf Polyester-Unterlage – 1965 in Konkurrenz zu Super 8 getreten und diesem technisch überlegen.

Bei Agfacolor 1945 wurden die Patente infolge des verlorenen Krieges zwangsweise frei. 1952 konnte daher Gevaert (Belgien) als ersten Schmalfilm Gevacolor R5 herausbringen, der 1959-1960 von Zeiss Ikon als „Ikolor U12“ auf den westdeutschen Markt gebracht wurde. Ebenfalls 1952 folgte Ferraniacolor aus Italien. Dieser Film verdankte seine Fabrikation der maßgeblichen Mitwirkung ehemaliger Agfa-Chemiker. Ferraniacolor wurde weiter entwickelt bis zu den 3M Color Movie Filmen, worin die Filmmarke nach der Übernahme durch den amerikanischen 3M-Konzern 1964 umbenannt worden war. Ansco in USA gehörte bis 1941 zum deutschen I.G. Farbenkonzern und damit zur Agfa. So war man dort schon 1938 in der Lage, Agfacolor 16mm Filme als „Ansco Color“ herzustellen. Nachdem das Werk 1941 als Feindvermögen beschlagnahmt worden war, nahm Ansco 1942 die Filmfabrikation wieder auf und produzierte Ansco Color 16mm zunächst nur für die US Army. Analog zu den höher empfindlichen Anscochrome (1955) und Super Anscochrome (1957) Diafilmen folgten entsprechende 16mm Filme, die nicht nur noch höher empfindlich waren, sondern auch in der Körnigkeit und Farbwiedergabe wesentlich verbessert wurden. Für das 8mm-Format hatte Ansco aber das Kodachrome-Verfahren gewählt.

Werbeanzeige der Firma Perutz (1960)

Werbeanzeige der Firma Perutz (1960)

Gevacolor (1963). Dieser Film war nicht farbstabil, sondern erhielt nach wenigen Jahren einen starken Rotstich.

Gevacolor (1963). Dieser Film war nicht farbstabil, sondern erhielt nach wenigen Jahren einen starken Rotstich.

Ferraniacolor (1964)

Ferraniacolor (1964)

Fujichrome R25 (alt) (1974)

Fujichrome R25 Single 8 (Kodachrome-Verfahren) (1974)

Auch Ektachrome Schmalfilme

Kodak arbeitete aber schon während des II. Weltkriegs ein zweites Farbverfahren aus, bei dem die Farbkuppler, eingebettet in einer öligen Harzsubstanz, tröpfchenförmig fein in die Filmschichten verteilt werden, weshalb man sie auch „ölgeschützte, wasserunlösliche Kuppler“ nennt. Dieses „Ektachrome-Verfahren“, das einfacher als Kodachrome zu handhaben war und daher im II. Weltkrieg auch für militärische Farbfilme eingesetzt wurde, wird heute im Prinzip für alle Farbfilme angewandt. Als erste damit arbeitende Amateur-Schmalfilme kamen 1967 die Ektachrome II Filme heraus. Die Weiterentwicklung führte über Ektachrome 40 und 160 bis zum heutigen Ektachrome 100D Super 8. Dank des Ektachrome-Verfahrens waren höhere Filmempfindlichkeiten möglich.

Ektrachrome II (1970)

Ektrachrome II (1970)

Die führende Rolle von Kodak auf dem westlichen Weltmarkt, aber auch die Qualität der Ektachrome Filme in Farben und Feinkörnigkeit bewog viele Hersteller, sich auch zu Gunsten höherer Filmempfindlichkeiten das Ektachrome-Verfahren zu übernehmen. Die wesentlich einfachere Filmverarbeitung bewirkte auch den Umstieg von Filmen des Kodachrome-Typs bei 3M, Fujifilm, Konica (Sakurachrome) und für die Purpurschichten der Moviechrome Filme auch Agfa-Gevaert.

Mitte der 1980er Jahre verloren Super 8 und Single 8 Filme gegenüber Video an Bedeutung. Fujifilm hat das Ende des Verkaufs des letzten Fujichrome Single 8 Films Typ R25N für März 2012 angekündigt. Unternehmen wie Retro Enterprises, Tokio, kaufen unperforiertes Fujichrome Diafilmmaterial auf und lassen davon Single 8 Filme schneiden, die unter der Marke Cinevia vertrieben werden. Auch Super 8-Filme werden weiterhin angeboten, darunter der neue Ektachrome 100D. Firmen wie Wittner Cinetec in Hamburg lassen neben Kodak den Schmalfilm weiterleben.

Ektachrome 100D - 16mm (2009)

Ektachrome 100D - 16mm (2009)

Die ausführliche Geschichte des farbigen Schmalfilms von Gert Koshofer wurde mit vielen Abbildungen unter dem Titel „Bewegt und bunt“ in der Zeitschrift „schmalfilm“ (Fachverlag Schiele & Schön, Berlin) in den Heften 3-6/2010 in Fortsetzungen veröffentlicht. Heft 5/2010 enthält auch eine umfangreiche Tabelle mit allen farbigen Schmalfilmen von 1935 bis zur Gegenwart.

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