Neuigkeiten aus dem Archiv – 01.05.2013

Mit 57 Dörfern war die Kolonie Halbstadt die größte Siedlung, die mennonitische Siedler aus Westpreußen auf dem Gebiet der heutigen Ukraine gründeten. Das Gebiet wird im Westen vom Fluss Molotschna begrenzt, der der Siedlung ihren russischen Namen “Molotschna” gab.

Nach der Besetzung Halbstadts durch die Wehrmacht wurden aus Freiwilligen so genannte “volksdeutsche Reiterregimenter” aufgebaut, die der SS unterstanden. Eines davon, das “1. Volksdeutsche Reiterregiment der Waffen-SS” hatte in Halbstadt seinen Sitz. Das Regiment hatte etwa 565 Reiter und war in der Torpedofabrik in Tokmak untergebracht. Die Männer wurden zum Ernteeinsatz, zum Partisaneneinsatz und für örtliche Sicherungsmaßnahmen abgestellt. Im Oktober 1943 wurde das Regiment geschlossen nach Warschau überführt.

Das fruchtbare Gebiet um Halbstadt sollte nach der Vorstellung der Nationalsozialisten zu einer Mustersiedlung unter deutscher Führung ausgebaut werden, deren Ziel es war, die Lebensmittelversorgung der deutschen Bevölkerung zu sichern.

Im Sommer 1943 entstanden in und um Halbstadt Filmaufnahmen, die den Stand der Entwicklung und den Einsatz des 1. Volksdeutschen Reiterregiments dokumentieren sollten. Nach langer Suche konnten wir die kompletten Filmrollen (Gesamtlauflänge über zwei Stunden) unversehrt in einer ukrainischen Sammlung finden und für unser Archiv erwerben.

Kurze Zeit nachdem die Aufnahmen entstanden, wurden die Einwohner von Halbstadt in den so genannten Warthegau evakuiert. Hier wurden sie bei Kriegsende von der Roten Armee überrollt und zurück nach Sibirien und Kasachstan deportiert.

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Meine beiden großen Leidenschaften, die Geschichtswissenschaft und das Medium Film, zu verknüpfen und daraus mehr als ein Hobby zu machen, bestimmen mein Leben.

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