Neuigkeiten aus dem Archiv – 19.11.07

In ihrer heutigen Ausgabe berichtet die FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEiTUNG unter der Überschrift „Die Gentlemen bitten an Deck“ über die geplante Verfilmung der Versenkung des des britischen Truppentransporters „Laconia“ durch das deutsche U-Boot 156 und die sich daran anschließende Rettungsaktion durch die deutsche Seekriegsleitung.

Ein Kapitel des Krieges, das bisher von der Mehrheit der deutschen Historiker wenig beachtet wurde. Die sachlich beschriebenen Fakten zeichnen das Bild eines deutschen U-Boot-Kommandanten (Kapitän Gustav Julius Werner Hartenstein), der zunächst aus eigener Entscheidung und danach mit ausdrücklicher Zustimmung seines Befehlshabers Karl Dönitz sein eigenes Boot in Gefahr brachte, um in Seenot geratene Gegner und Verbündete (die sich als Kriegsgefangene auf dem torpedierten Boot befanden) zu retten.

In einem Punkt aber irrt ihr Autor: die vier Tage später erfolgte gezielte fünffache Bombardierung der aufgetaucht fahrenden und mit Rot-Kreuz-Fahnen versehenen deutschen U-Boote und der angehängten Rettungsboote, auf denen sich auch zahlreiche Engländer und Polen befanden, die die deutsche U-Boot-Besatzung aus Seenot gerettet hatte, durch einen bei klarer Sicht im Tiefflug angreifenden amerikanischen Liberator-Bomber ist weder „einem Kommunikationsproblem“ geschuldet, noch ein in Frage zu stellender eventueller „Mutwille“ der amerikanischen Luftwaffe. Es war gezielte Absicht, dem zahlreiche alliierte Soldaten zum Opfer fielen.

Da Hartenstein zuvor einen englischen Funkspruch abgesetzt hatte, in dem er gegnerische Schiffe zur Rettung aufforderte und zusicherte, dass kein Schiff, dass sich an der Rettung beteilgen würde, angegriffen würde, wussten die Amerikaner sehr genau, welche Tragödie sich sechshundert Seemeilen vor der liberianischen Küste abspielte.

Man darf gespannt sein, ob die verantwortlichen Filmemacher die Abläufe vorurteilsfrei darzustellen bereit sind, oder sich nur im Tauchgang der historischen Wahrheit nähern.

Wir haben schon vor Jahren in einem Dokumentarfilm über die “Geschichte der deutschen U-Boot-Waffe” diesen Vorgang und die Behauptung, Dönitz habe wegen dieses Vorfalls den Befehl erteilt, auf Schiffbrüchige zu schießen, aufgearbeitet und Zeitzeugen befragt.

Geschrieben von

Meine beiden großen Leidenschaften, die Geschichtswissenschaft und das Medium Film, zu verknüpfen und daraus mehr als ein Hobby zu machen, bestimmen mein Leben.