Sonderbeitrag: Die Filmposter-Sammlung William Gillespie

von William Gillespie, Sydney

Seit über zwanzig Jahren sammelt William Gillespie Poster und Begleitmaterial von deutschen Filmen der NS-Zeit sowie Filmen anderer Achsenmächte und während des Krieges besetzter Länder. Der Antrieb für seine Sammeltätigkeit wurde durch den Kauf zweier sehr seltener belgischer Poster von Veit Harlan’s JUD SÜß gesteigert, die Gillespie in Frankreich erwerben konnte: Dieser Fund machte deutlich, dass auch Poster zu kontroversen und seltenen “Tendenzfilmen” nicht völlig vom freien Markt verschwunden waren.

Fortan nutzte Gillespie für weitere Ankäufe Auktionshäuser, Postersammlungen und Internetquellen. Mit steigender Bekanntheit seiner Sammlung erhielt er auch zunehmend Privatangebote von Händlern und Sammlern und konnte auf diese Weise etwa die tschechischen Originalposter der beiden OLYMPIA-Filme (1938, Leni Riefenstahl) erwerben. Die Sammlung umfasst heute auch einige Poster von 1928-1954, bei denen es sich nicht um “Tendenzfilme” handelt: darunter das französische Originalposter von LE CORBEAU (1943, Henri-Georges Clouzot), Riefenstahls in der Nachkriegszeit uraufgeführter TIEFLAND oder Emil Jannings Oskar-prämierter DER LETZTE BEFEHL, die ihre eigene Berechtigung haben und in jedem Fall sammelwürdig sind.

Die Herausforderung, Poster bestimmter Tabufilme zu finden und zu sammeln, bildete zunächst ein Hobby, das in dem Moment ernsthafter wurde, als sich Akademiker, Museen und andere Institutionen an die Gillespie-Sammlung zu wenden begannen und die Verwendung von Bildmaterial für Ausstellungen, Publikationen und Fachzeitschriften erbaten. In einigen Fällen gab es das angefragte Bildmaterial einfach nirgendwo sonst; in anderen Fällen hatte sich herausgestellt, dass die üblichen Verhandlungen mit staatlichen Archiven und Institutionen, die Poster besaßen, einfach zu schwierig, langsam und restriktiv verliefen – obwohl es sich bei diesen Institutionen angeblich um gemeinnützige Einrichtungen handelte. Andere Objekte der Gillespie-Sammlung, z.B. Ausgaben der Zeitschrift DER DEUTSCHE FILM (Reichsfilmkammer, 1936-1943) wurden für Studenten gescannt, die anderweitig keinen Zugang zu diesen seltenen Materialien hatten.

Es besteht kein Zweifel daran, dass die Filmposter wegen ihres schlechten Rufes tief in den Gewölben der Staatsarchive vergraben sind und daher weder Schülern, Filmstudenten noch der allgemeinen Öffentlichkeit zur Verfügung stünden, gäbe es nicht private Anstrengungen wie etwa durch William Gillespie. Den staatlichen Archiven fehlen trotz gegenläufiger Behauptungen die Mittel, um Poster zu restaurieren und zu erhalten, wohingegen fünfzig der seltensten Poster der Gillespie-Sammlung professionell entsäuert, gesäubert und auf japanisches Reispapier übertragen wurden – als Teil unserer Bemühungen, diese geschichtlichen Stücke intakt zu erhalten.

Bis jetzt wurden durch die Gillespie-Sammlung bzw. in Zusammenarbeit mit ihr zwei Bücher und ein Pamphlet veröffentlicht. Die Titel lauten: „Film Posters of the Third Reich” (2007), Veit Harlan’s “Testament 1945” (2010) and “Karl Ritter – His Life and ‘Zeitfilms’ under National Socialism“ (2012). Sämtliche Titel sind exklusiv erhältlich bei der Firma International Historic Films, Chicago, USA.

Die hier gezeigten Beispiele von NS-Filmpostern dienen ausschließlich zum Zweck der staatsbürgerlichen Aufklärung und nicht zur Bewerbung der entsprechenden Filme.

Kadetten (1939, Regie: Karl Ritter): Der antisowjetische Propagandafilm der Ufa wurde im Frühsommer 1939 gedreht und sollte ursprünglich auf dem Reichsparteitag dieses Jahres uraufgeführt werden. Aufgrund des Hitler-Stalin-Paktes gelangte er jedoch erst im Dezember 1941 in die Kinos.

Robert Koch, der Bekämpfer des Todes (1939, Regie: Hans Steinhoff): Emil Jannings verkörperte die Titelrolle dieses propagandistisch akzentuierten Biographie-Films über den Entdecker des Tuberkulose-Bazillus. Der Film wurde auf der Biennale 1939 ausgezeichnet.

Wien 1910 (1942, Regie: E.W. Emo): Der Propagandafilm schildert die letzten Tage des Wiener Bürgermeisters Karl Lueger, dessen Person Hitler in „Mein Kampf“ ausdrücklich gewürdigt hatte.

Titanic (1942/43, Regie: Herbert Selpin): Der großproduzierte Propagandafilm konnte nur im Ausland gezeigt werden, da das Katastrophenszenario eher Sympathien für die Briten geweckt hätte. Der denunzierte Regisseur Herbert Selpin beging in Gestapo-Haft Selbstmord.

 

The Gillespie Collection of German, Axis and Occupied Europe Posters

The collection began well over twenty years ago and the impetus was accelerated when, early on, the very rare Belgian poster for Harlan’s JUD SÜß was acquired in France, which signalled that controversial and rare “Tendenzfilme” posters were not completely unobtainable on the open market. Over time, auction houses, poster galleries, and then the internet were all used to source new acquisitions. As the collection became better known, private collectors and poster dealers made private offers to the Gillespie Collection, and posters such as the two Czech originals for OLYMPIA, and many others, were bought off-market.

There are also a few posters from 1928 – 1954 which are not Tendenzfilme, such as the original French poster for LE CORBEAU, Riefenstahl’s post-war TIEFLAND, or Emil Janning’s Oscar-winning DER LETZTE BEFEHL, which are important in their own right, and worthy of collection in any case.

The challenge of finding and collecting such “taboo” posters was a hobby that became more serious when university scholars and museums and other institutions began to ask permission to use images from the website for exhibitions, books, and scholarly journals. In some cases the posters were simply unavailable anywhere else at all; in other cases normal negotiations with state archives and institutions holding posters were too difficult, slow, and restrictive; despite those institutions proclaiming a commitment to the public.

Other Gillespie Collection materials, such as issues of DER DEUTSCHE FILM (RFK, 1936-1943) have been scanned for scholars, who have no easy access to these rare Zeitschriften. There is no doubt that these posters, because of their notoriety, would be buried deep inside the vaults of state archives and not available to scholars or to the film student or general public were it not for private collecting efforts such as ours. State archives have no money for poster restoration and preservation, despite their claims to do so, whereas over fifty of the rarest posters in this Collection have been professionally de-acidified, cleaned, and backed on Japanese rice paper as part of our commitment to keeping these pieces of history intact.

Two books and one pamphlet have been published by or in conjunction with the Gillespie Collection to date. These titles are: Film Posters of the Third Reich (2007), Veit Harlan’s “Testament 1945” (2010), and Karl Ritter – His Life and ‘Zeitfilms’ under National Socialism (2012). All three titles are available exclusively for purchase from International Historic Films, Chicago, USA.

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