Monats-Archiv: April 2011

Neuigkeiten – 30.04.2011

Gestern Abend war ich zum Abendessen im Hotel Rixos eingeladen. In diesem Hotel logieren die meisten internationalen Journalisten. Ein Leben zwischen Luxus pur und Berichterstattung. Bei dieser Gelegenheit konnte ich eine Pressekonferenz verfolgen, die der Sprecher der libyschen Regierung abhielt. Die wichtigsten Punkte seiner Darlegungen waren:

1. Die seit Wochen umkaempfte Hafenstadt Misrata wird weitgehend nicht mehr von den Rebellen kontrolliert. Der Regierungssprecher informierte die internationale Presse ueber ein Ultimatum an die Rebellen, bis Dienstag, den 3. Mai, ihre Waffen abzugeben, entweder an die reginale Autoritaet oder an die Stammesfuehrer. Dafuer wuerde im Gegenzug Generalamnestie fuer die libyschen Aufstaendischen und freier Abzug fuer auslaendische Kaempfer erteilt. Dafuer wuerden sichere Abzugskorridore aus Misrata eingerichtet.

2. In der kommenden Woche sei eine Generalversammlung aller libyschen Staemme (2.000 ! Staemme) geplant, zu der auch Vertreter internationaler Organisationen (Uno, EU, Afrikanische Union) eingeladen sind, um sich ein Bild von der Situation in Libyen zu machen. Die Stammesfuehrer wuerden alle mit Bild und Pass vorgestellt, um ihre Identitaet jederzeit ueberpruefbar zu machen. Bislang haben fast alle libyschen Staemme, mit Ausnahme einiger ostlibyscher, ihre Teilnahme zugesagt. Die internationalen Beobachter koennen die Vertreter der Staemme frei befragen.

3. Er machte der britischen Regierung den Vorwurf, aktuell eine Billion britische Pfund fuer die Weiterfuehrung dee Krieges zur Verfuegung zu stellen.

4.Die libysche Regierung ist bereit zu einem sofortigen Waffenstillstand, Verhandlungen ohne Vorbedingungen und zu freien und allgemeinen Wahlen in ganz Libyen unter internationaler Beobachtung.

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Heute Nacht bombardierte die NATO den staatlichen Fernsehsender in Tripolis, der sich inmitten eines Wohngebietes befindet. Ich konnte die Zerstoerungen als Augenzeuge sehen. Mehrere Gebaeude sind zerstoert. Ob Menschenleben zu beklagen sind, kann ich zur Zeit nicht sagen. ich bemuehe mich aber um weitere Informationen.

Aktionen wie diese sind meiner Kenntnis nach nicht von der UN/Resolution 1973 gedeckt, die ja gerade den Schutz der Zivilbevoelkerung garantieren soll. Bombardierungen in unmittelbarer Naehe von Wohngebieten stellen mindestens eine Gefaehrung der Zivilbevoelkerung das.

Ich melde mich wieder, wenn ich weitere Einzelheiten erfahre

Karl Hoeffkes

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Neuigkeiten

Den hohen Traffikdaten der website, die ich auch hier in Libyen abrufen kann, entnehme ich, dass meine Eindruecke, die ich waehrend der Dreharbeiten in dem umkaempften Land gewinne, offensichtlich auf grosses Interesse stossen. Ich will daher auch heute berichten, was ich in den zurueckliegenden 24 Stunden erlebt habe.

Gestern Abend konnte ich mit einer Lehrerin, ihr Name ist Fauzya, die ich vor etwa zehn Jahren waehrend meiner Dreharbeiten zu meinem ersten Dokumentarfilm ueber Libyen bei einem Lehrerinnenkongress im Hotel Bab Al Bahr (“Tor zum Meer”) in Tripolis kennenlernen durfte, telefonieren. Sie hat vor den Unruhen in Tobruk unterrichtet und haelt sich derzeit in Ostlibyen auf. Ich kann ihre Darstellungen von hier aus nicht ueberpruefen und gebe sie so sachlich wie moeglich, wieder:

Die Rebellenbewegung in Ostlibyen wird in den westlichen Medien weitgehend falsch dargestellt. Es handelt sich in Wahrheit um eine aus vielen unterschiedlichen Interessengruppen zusammengesetzte Bewegung, die augenblicklich noch die Forderung nach dem Sturz Gaddafis einige. Sollte dieses Ziel erreicht werden, wuerde sie zerfallen und die einzelnen Gruppen wuerden sich untereinander bekaempfen. Ein zweites Afghanistan sei nicht ausgeschlossen.

Im Osten Libyens, vornehmlich in den Stadten Derna, Beida und Tobruk, sei die Islamisierung unuebersehbar. Die Rechte der Frauen seien bereits eingeschraenkt, die saekularen Strukturen wuerden schrittweise aufgehoben. Frauen werden vielerorts bereits gezwungen, sich zu verschleiern.

Die von westlichen Medien verbreitete Vorstellung, es handele sich in Ostlibyen um ein “einiges, befreites Gebiet” habe mit der Realitaet wenig zu tun. Einzelne Staedte wuerden wie Stadtstaaten regiert und an verschiedenen Stellen seien bereits “libysche islamische Emirate” ausgerufen worden.

Die Rebellen wuerden von islamistischen Kaempfern unterstuetzt, die ihre Kampferfahrung ua. im Irak, in Afghanistan und in Somalia gewonnen haetten.

Wenn der Westen glaube, dass mit einer Machtuebernahme dieser fundamentalistisch unterwanderten Bewegung, in denen die Glaubenskrieger am besten organisiert seien, eine demokratische Staatsform initiiert werden koenne, sei das die gleiche Fehleinschaetzung, die der Westen bereits in Afghanistan getroffen habe.

Soweit der Bericht der Lehrerin aus Tobruk.

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Heute Nacht feuerte die libysche Flak mehrere Minuten lang.  Ich habe das Brummen von Flugzeugen gehoert, aber keine Einschlaege. Moeglicherweise hat man auf eine Drohne geschossen. Aber das ist reine Spekulation, weil mir keine weiteren Informationen zur Verfuegung stehen.

Ich habe heute verschiedene Drehs, bei denen ich moeglicherweise weitere Einzelheiten erfahre. Ich melde mich wieder.

Karl Hoeffkes

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Neuigkeiten – 28.04.2011

Die Leser meiner website wissen, dass ich schon vor einigen Tagen in Libyen war, um fuer eine aktuelle Dokumentation zu filmen. Ich bin jetzt noch einmal zurueckgekehrt, um die letzten Aufnahmen abzudrehen. Dass sich die politische Lage so entwickeln wuerde, wie sie sich jetzt darstellt, war nicht absehbar, als ich den Film geplant habe. Ich wollte die Arbeiten aber nicht abbrechen, sondern meinen Aufenthalt nutzen, um zu filmen und um meine persoenlichen Eindruecke unverstellt zu schildern.

Ich befinde mich zurzeit in Tripolis. Ich kenne die Stadt von frueheren Aufenthalten und kann daher die Veraenderungen der letzten Zeit nachempfinden. Die Atmosphaere ist gepraegt von unterschiedlichen Geschehnissen, Bildern und Gefuehlen. Angesichts der Bombardierungen in den vergangenen Tagen herrscht immer noch weitgehende Normalitaet. Die Geschaefte sind geoeffnet und – soweit ich das feststellen konnte – gut gefuellt.

Unuebersehbar sind aber die Autoschlangen vor den Tankstellen, die inzwischen oft mehrere Hundert Meter lang sind. Tagsueber ist es schon heiss und die Menschen muessen stundenlang in der Hitze ausharren, um einen Kanister Benzin zu bekommen. Die Kapazitaeten der Raffinerien reichen nicht aus, um genuegend Benzin zu erzeugen. Tankschiffe, die zusaetzliches Benzin bringen sollen, werden nach Aussagen meiner Gespraechspartner am Einlaufen gehindert. Bei den Menschen, die an den Tankstellen anstehen, handelt es sich aus meiner Sicht ausnahmslos um Zivilisten; darunter viele alte Menschen und Kinder. Inwieweit die UN/Resolution derartige Beschneidungen des Zivillebens rechtfertigt, kann ich nicht beurteilen.

Das Internet ist frei nutzbar: es gibt keinerlei inhaltliche Beschneidung. In einem Fernseher in der Lobby meines Hotels laeuft den ganzen Tag CNN. Auf meinem Zimmer kann ich alle wichtigen Fernsehsendern, darunter auch das ZDF empfangen.

In der Nacht gab es keine wahrnehmbaren Einschlaege oder Abwehrfeuer. Die Millionenstadt Tripolis mit ihren zahlreichen neuen Gebaeuden, modernen Hotels und gruenen Parks wirkt wie im tiefen Frieden. Nur der Verkehr auf den breiten Strassen ist wesentlich geringer als in frueheren Jahren und ich habe auch den Eindruck, dass sich weniger Menschen auf den Plaetzen, in den Cafes und in den Einkaufsstrassen aufhalten. Nachvollziehbar, wenn man sich die Lage verdeutlicht, in der sich das Land und die Menschen augenblicklich befinden.

Sobald man erkennt, dass ich aus Deutschland stamme, beginnen die Diskussionen. Meine Gespraechspartner – gestern Abend beispielsweise eine etwa 20 jaehrige Studentin, die ich zufaellig in einem Fotoladen traf - zeigen sich erstaunlich gut informiert. Einig scheinen sich alle darin, dass der Krieg so schnell wie moeglich beendet werden muss, um die Probleme auf der Gespraechsebene zu loesen. Man setzt dabei stark auf Deutschland, das man allgemein als “ehrlichen Makler” empfindet.

Berichten moechte ich auch von einigen Eindruecken, die ich auf der etwa fuenfstuendigen Autofahrt von Tunesien nach Tripolis gewonnen habe. Etwa zehn Kilometer vor der libyschen Grenze beginnen beiderseits der Strasse riesige Auffanglager fuer Fluechtlinge. Zehntausende, die seit Wochen in schnell errichteten Zeltstaedten kampieren. Unter vorgehaltener Hand wird berichtet, dass viele dieser Menschen auf eine Moeglichkeit warten, ueber das Mittelmeer nach Europa zu gelangen. Aus der Sicht der Betroffenen ist dieser Wunsch durchaus nachvollziehbar.

Sollten sich aber infolge der anhaltenden Instabilitaet in Nordafrika die Schleusen nach Europa weiter oeffnen, so sind die Bilder, die wir in den letzten Tagen von der italienischen Insel Lampedus gesehen haben, nur ein Vorgeschmack, auf das, was Europa in den kommenden Monaten erwartet. 

Nachhaltig geholfen werden kann diesen Menschen nur im eigenen Land; allein unter diesem humanitaeren Aspekt ist Europa gut beraten, moeglichst schnell den Weg diplomatischer Loesungen zu beschreiten.

Mit besten Gruessen

Karl Hoeffkes

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Neuigkeiten – 28.04.2011

Ich befinde mich zurzeit in der libyschen Hauptstadt Tripolis. Bevor ich meine ersten Eindruecke schildere, einige Anmerkungen zum Film-Archiv:

Kurz vor den Ostertagen erreichten uns umfangreiche Materialbestellungen aus den USA (hier arbeitet beispielsweise eine New Yorker Produktion an einem Film ueber Jessy Owens), Frankreich und Russland. Wir haben die freien Tage genutzt, um alle Anfragen zu bearbeiten. Das Material geht heute per Kurier an die Produzenten.

Erreicht haben uns auch verschiedene Filmrollen, darunter Privataufnahmen von den Olympischen Spielen 1936. Auszuege daraus stellen wir nach meiner Rueckkehr ein.

Unsere Dokumentation ueber die “Olympischen Spiele 1936 in Berlin” ist bereits im Schnitt. Wir greifen dafuer ausschliesslich auf privat gedrehtes Filmmaterial zurueck, dass wir in den vergangenen Jahren zusammengetragen haben und bieten damit allen Interessierten zum ersten Mal eine umfassende filmische Aufarbeitung abseits der offiziellen Olympiafilme von Leni Riefenstahl an.

Das Interesse an unserer website ist weiterhin erfreulich hoch: gestern Abend haben wir die Marke von 80.000 uebersprungen.

Alle, die mir geschrieben haben und auf eine Antwort warten, bitte ich um etwas Geduld. Nach meiner Rueckkehr melde ich mich umgehend.

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Neuigkeiten im Archiv – 27.04.11

Am 24. April berichtete Heimo Schwilk in der “Welt am Sonntag” ueber unsere gemeinsame Reise nach Libyen. Die Resonanz der Leser war ueberwaeltigend. Viele hoben in online-Kommentaren die ausgewogene Sicht auf die Ereignisse hervor. Offenbar gefiel dieser Zuspruch nicht allen. Die online/Kommentare auf “Welt.de” wurden inzwischen komplett gestrichen. Neue Kommentierungen werden offenbar nicht veroeffentlicht. Ein bezeichnendes Beispiel fuer die Art und Weise, in der inzwischen die Meinungsbildung beeinflusst wird.

Ich befinde mich wieder in Libyen und berichte in den kommenden Tagen so sachlich und objektiv wie möglich auf meiner Website.

Hier finden Sie den Artikel auf www.welt.de

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Neuigkeiten – 21.04.2011

Ich danke für die vielen Zuschriften der vergangenen Tage und das Echo, das meine Beiträge über Libyen ausgelöst haben. Um die Dreharbeiten abzuschließen, werde ich in den kommenden Tagen noch einmal nach Libyen reisen.

Ich werde versuchen, meine Eindrücke zeitnah auf meiner website zu veröffentlichen. Kolleginnen und Kollegen, die an aktuellem Filmmaterial, Fotos oder einem Interviewtermin interessiert sind, melden sich bitte unter unserer bekannten Adresse. Ich hoffe, am 3. Mai wieder in Deutschland zu sein.

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Neuigkeiten – 20.04.2011

Wie vor mir schon andere Journalisten, so hatte auch ich die Möglichkeit, das Palast- und Regierungsgelände „Bab al-Azizia“ in Tripolis zu besuchen. In dem weiträumigen Areal sind einige Gebäude von amerikanischen Raketen zerstört worden.

Das Gelände ist inzwischen in großen Teilen für die Zivilbevölkerung zugänglich. Jeden Abend versammeln sich dort zahlreiche Menschen, um durch ihre Anwesenheit eine weitere Bombardierung zu verhindern. Ich stelle nachfolgend Szenen ein, die ich bei meinem Besuch am 17. 4. gedreht habe.

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Neuigkeiten – 19.04.2011

Ich bin zurück aus Libyen und habe eine Fülle von Eindrücken, Fotos und Filmaufnahmen mitgebracht. Darunter auch Aufnahmen aus umkämpften Gebieten im Osten, die man so aus den westlichen Medien nicht kennt. Ich stelle daraus in Kürze weitere Ausschnitte auf meiner website ein.

Nach den Berichten in der hiesigen Presse hat es mich immer wieder überrascht, wie ungezwungen sich die Menschen über die Geschehnisse im Land geäußert haben, wenn sie merkten, dass ich aus Deutschland stamme. Einig waren sich alle in der Position, dass ihr Land nicht geteilt werden dürfe und die derzeitige Krise nur auf dem Wege eines friedlichen Diskurses und nicht mit Waffengewalt gelöst werden kann.

Wie ich schon schrieb, gilt die Position unseres Außenministers Guido Westerwelle vielen als einzig gangbare Brücke zur Konfliktlösung. Soweit ich die Lage beurteilen kann, tun wir Deutsche gut daran, uns weiterhin konsequent aus dem militärischen Einsatz herauszuhalten, um als ehrlicher Makler und Gesprächspartner zur Verfügung zu stehen.

Die Kämpfe im Land fordern ebenso wie die Einsätze der Nato Opfer unter der Zivilbevölkerung. Die vielen Verletzte, die ich in Tripolis und Umgebung gesehen und gesprochen habe, haben meine Überzeugung gefestigt, dass der militärische Einsatz am Ende keine Lösung bieten wird.

Nachfolgend stelle ich einige Aufnahmen von Verwundeten ein, die bei einem Raketenangriff der NATO östlich von Tripolis von Bombensplittern getroffen wurden:

 Außenminister Westerwelle hat inzwischen in diesem Konflikt eine Position gewonnen, die ausschlaggebend für eine schnelle friedliche Lösung sein wird. Ihn und seine Weigerung, sich dem militärischen Einsatz anzuschließen, gilt es zu unterstützen. Bomben auf Libyen sind kein Weg zum Frieden.

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Neuigkeiten im Archiv – 18.04.11

Gemäß Hitlers Parole, die deutsche Jugend müssezäh wie Leder, hart wie Kruppstahl und flink wie die Windhunde“ sein, legte die NS-Führung auf die körperliche Ertüchtigung der nachwachsenden Generation größten Wert. Dass die klassischen Sportarten später auch durch Wettkämpfe im Handgranatenweitwurf ua. ergänzt wurden, ist ein Beleg für die wahren Ziele, die die Nationalsozialisten mit dieser „Körperertüchtigung“ verfolgten. 1941 entstand während eines Bann- und Untergausportfestes der Hitlerjugend im Raum Hannover ein Farbfilm von ca. 10 Minuten Länge, aus dem wir nachfolgend erstmalig Ausschnitte vorstellen.

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Neuigkeiten im Archiv – 16.04.11

Nach dem Sieg über Frankreich paradierte die 18. Armee am 14. Juni 1940 in Paris vor Generaloberst von Küchler und dem Oberbefehlshaber der Heeresgruppe B, Generaloberst von Bock. Für die Franzosen war diese Demonstration des deutschen Sieges ein Schlag ins Gesicht.

Aus dem Nachlass eines Teilnehmers konnten wir vier 16-mm-Filme erwerben, die in einer Gesamtlaufzeit von 14 Minuten Ausschnitte dieser Parade enthalten.

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Neuigkeiten – 15.04.2011

Unsere Dreharbeiten gehen gut voran. Gestern Nachmittag und heute Nacht waren in Tripolis einige Detonationen infolge von Bombenangriffen zu hören. Die libysche Flugabwehr antwortete kurz. Danach herrschte wieder Ruhe. Heute ist Freitag: in der muslimischen Welt mit unserem Sonntag vergleichbar.

Am gestrigen Abend konnte ich ein Krankenhaus besuchen, in dem mehrere Patienten, die durch Bombenangriffe der NATO verletzt worden sind, versorgt wurden. Die Umstände, die zu den teils schweren Verletzungen führten, kann ich von hier aus nicht nachprüfen. Es ist aber offensichtlich, dass unbeteiligte Zivilisten durch Bombenangriffe sterben und verletzt werden. Ich konnte mich bei dieser Gelegenheit mit einem jungen Mann unterhalten, der gebrochen englisch sprach und der mir erzählte, dass er unter einer infolge eines Bombardements zusammengebrochenen Wand begraben wurde. Seine beiden Beine waren so stark zerschmettert, dass sie amputiert werden mussten.

Sobald die Menschen hören, dass ich Deutscher bin, kommt die Sprache auf die Position unseres Aussenministers Guido Westerwelle. Seine Forderung nach einer politischen Loesung des Konflikts ist bekannt und wird nach meiner Einschaetzung uneingeschränkt begrüsst.

Karl Höffkes

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Neuigkeiten im Archiv – 15.04.11

Nach dem Wiener Kongress entstand der Kreis Elbing im Regierungsbezirk Danzig. Seit 1867 gehörte der Kreis zum Norddeutschen Bund und ab 1. Januar 1871 zum Deutschen Reich. Nach der Teilung der Provinz Preußen in Ostpreußen und Westpreußen wurde der Landkreis Elbing Bestandteil Westpreußens.

Mit Inkrafttreten des Versailler Vertrages am 10. Januar 1920 musste der westlich der Nogat gelegene Teil des Landkreises Elbing an die Alliierten und Assoziierten Hauptmächte zur Bildung der Freien Stadt Danzig abgetreten werden. Der Landkreis Elbing verlor 25 % seines Territoriums und 23 % seiner Einwohner. Erst 1922 wurden endgültige Regelungen hinsichtlich der Reste der Provinz Westpreußen getroffen.

Zum 1. Juli dieses Jahres wurde der Landkreis Elbing förmlich in die Provinz Ostpreußen eingegliedert. Nach der Besetzung Polens durch die Deutsche Wehrmacht wurde der Landkreis Elbing Teil des neugebildeten Reichsgaus Westpreußen. Im Frühjahr 1945 besetzte die Rote Armee das Kreisgebiet, das anschließend unter polnische Verwaltung gestellt wurde. Fast alle deutschen Bewohner des Kreisgebiets wurden vertrieben.

Ein 16-mm-Privatfilm aus dem Jahre 1936, den wir vor kurzem erwerben konnten, enthielt auch einige Szenen aus Elbing und Umgebung.

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Neuigkeiten – 15.04.2011

Ich befinde mich derzeit zu Filmaufnahmen für einen Dokumentarfilm in der libyschen Hauptstadt Tripolis. Entgegen aller Meldungen, die von “schweren Bombardierungen” oder “Unruhen” sprechen, verläuft das Leben in der libyschen Hauptstadt ruhig und normal. Die Läden sind geöffnet, das Warenangebot ist uneingeschränkt groß.
Lediglich das Benzin scheint rationiert zu sein, denn an einigen Tankstellen bilden sich Schlangen. Die Cafes und Restaurants sind geöffnet und gut besucht, die Menschen sind freundlich und zuvorkommend. Die Position der deutschen Regierung, den Konflikt friedlich zu lösen und einen Waffenstillstand herbeizuführen, findet grosse Unterstützung.

Ich bemühe mich, auch in den kommenden Tagen objektive Eindrücke der Ereignisse zu übermitteln.

Karl Höffkes

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Neuigkeiten im Archiv – 14.04.11

Um den Vertrieb landwirtschaftlicher Erträge Ostpreußens über See zu erleichtern, entwickelte man ein Kanalsystem, das die Erbauer vor ein schier unlösbares Problem stellte: zwischen den Hauptanbauflächen im ostpreußischen Oberland und den Seehäfen gab es einen Höhenunterschied von 99 Metern. Wollte man diesen Höhenunterschied durch das übliche Schleusensystem überwinden, hätte man auf einer Strecke von neun Kilometern 32 Schleusenkammern bauen müssen. Ein System, das zu teuer, zum umständlich und zu langsam gewesen wäre.

Der ostpreußische Baurat Georg Jakob Steenke entwickelte als Alternative das System der „Geneigten Ebene“, mit dem jeweils 20 Meter Höhenunterschied überwunden wurden. Dieses System verlief nach folgendem Schema: Auf jeder „Geneigten Ebene“ laufen zwei Eisenbahngleise nebeneinander, auf denen zwei Gitterwagen zur Beförderung der Schiffe zugleich bergauf und bergab aneinander vorbeifahren. Beide Gitterwagen stehen durch starke Drahtseile, die über große, sich drehende Scheiben laufen, so in Verbindung, dass der Schwung des nach unten fahrenden Wagens auf den hinauf fahrenden Wagen übertragen wird. Das sparte Energie. Zunächst baute man vier „Geneigte Ebenen“, die durch fünf Kammerschleusen ergänzt wurden. Die Schleusenkammern wurden später durch eine weitere „Geneigte Ebene“ ersetzt. Die Fahrt über eine „Geneigte Ebene“ dauerte etwa 15 Minuten. Ein Film aus dem Jahre 1937 hält eine solche Fahrt lebendig.

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Neuigkeiten im Archiv – 13.04.11

Der Totenkult und die Ehrung gefallener Soldaten entwickelten sich im Nationalsozialismus zu einem zentralen Moment einer neu zu schaffenden Volksgemeinschaft. Die nationalsozialistische Parole „Du bist nichts, Dein Volk ist alles“ fand in den zahlreichen Gefallenehrungen, die vor allem am sogenannten „Heldengedenktag“ in ganz Deutschland stattfanden, Ausdruck und war zugleich ein Appell an die nachwachsende Generation, das eigene Leben zu opfern, „wenn das Vaterland ruft“.

Ein Filmamateur aus Osterode hielt Mitte der 30er Jahre im Rahmen einer dieser Feiern einige Eindrücke vom Reichsehrenmal Tannenberg bei Hohenstein in Ostpreußen mit seiner Kamera fest. Der Film (Laufzeit ca. 18 Min.) wurde uns vor wenigen Tagen überlassen.

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